Wie Hund und Katz - wie Zusammenleben gelingt

Es gibt Hundeliebhaber, die keine Katzen mögen, und Katzenfreunde, die Hunden nichts abgewinnen können. Es gibt aber auch Menschen, die gerne mit Hunden und Katzen zusammenleben möchten. Damit dies gelingt, gilt es einige grundsätzliche Dinge zu beherzigen, denn von Natur aus sind Missverständnisse und Konflikte in der Kommunikation zwischen Hund und Katze vorprogrammiert. Einige Beispiele aus dem Verhaltensrepertoire unserer felligen Freunde:

  • Das Schnurren der gesunden Katze ist ein Ausdruck von Wohlbefinden. Ein katzenunerfahrener Hund kann dies allerdings als eine Art Knurren und damit als Warnsignal bzw. Bedrohung auffassen.

  • Ein hoch aufgerichteter Schwanz bedeutet bei der Katze meist eine positive Grundstimmung, z.B. wenn sie in Erwartung einer leckeren Mahlzeit ist oder ihren Menschen nach seiner Heimkehr begrüßt. Ein Hund mit steil aufgestellter Rute ist dagegen häufig angespannt und möglicherweise konfrontationsbereit.

  • Hingegen ist Schwanzwedeln beim entspannten Hund ein Zeichen für Freude und gute Laune. Bei der Katze hingegen ist es Ausdruck höchster Erregung, Verärgerung und Kampfbereitschaft.

Hier handelt es sich also eindeutig um vollkommen entgegengesetzte Ausdrucksformen. Zudem sind Hunde meist größer und kräftiger als Katzen (es gibt natürlich auch Ausnahmen!) und wirken dadurch auf diese von vornherein oftmals bedrohlich.

Es wird nur selten der Idealfall vorliegen, in dem Hund und Katze gemeinsam aufwachsen und von klein auf lernen, mit den Eigenheiten des anderen umzugehen und darüber hinaus freundschaftliche Bande zu knüpfen. Viel häufiger lebt entweder der eine oder die andere bereits mehr oder weniger lange glücklich mit seinem oder seinen Menschen zusammen, und nun zieht noch ein vierbeiniger Mitbewohner ein und stört die Harmonie. Dies kann schon eine Herausforderung darstellen, wenn es sich um ein Tier derselben Spezies handelt, wie viel größer ist sie manchmal, wenn es sich um einen Vertreter einer anderen Tierart handelt!

Erster und wichtigster Grundsatz: Man sollte alle Situationen vermeiden, in denen es zu Konflikten kommen kann bzw. muss! Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, ist es weitaus schwieriger und dauert sehr viel länger, die Dinge wieder ins Lot zu bringen. Manchmal klappt es auch gar nicht mehr und es bleibt nichts anderes übrig, als sich von einem Tier wieder zu trennen, was für alle Beteiligten äußerst traumatisch und traurig ist.

Zweiter Grundsatz: Geduld, Ruhe, Zeit, Verständnis, eine positive Grundeinstellung und Humor sind wesentliche Voraussetzungen für den Aufbau einer stabilen und freundschaftlichen Beziehung zwischen Hund und Katze. Verbissenes Erfolgsstreben ist ebenso fehl am Platze wie der Zwang, in einem bestimmten Zeitrahmen etwas erreichen zu müssen.

 

Aber wie stellt man es nun ganz praktisch an?

 

Betrachten wir die zwei möglichen Ausgangssituationen:

Situation 1: Es ist bereits eine Katze im Haus und nun soll ein Hund einziehen.

Situation 2: Es ist bereits ein Hund im Haus und nun soll eine Katze einziehen.

 

Situation 1: Ein Hund kommt ins Haus: Im besten Falle wurde im Vorfeld mit dem Hund bereits ein Katzentest durchgeführt, d.h. er wurde angeleint hundeerfahrenen Katzen vorgestellt. Solch ein Test ist nicht zu 100% aussagekräftig, da die Situation insbesondere für Hunde aus dem Tierschutz meist eher beängstigend ist, so dass sie sich lieber zurückhalten. Zeigt ein Hund hier bereits, dass er von Katzen absolut nichts hält, sollte man davon Abstand nehmen, ihn zu adoptieren!

Hat er den Test hingegen erfolgreich bestanden, also nicht versucht, den Katzen den Garaus zu machen, und soll er nun bei Ihnen einziehen, empfiehlt es sich, folgendermaßen vorzugehen:

  • Der Hund wird in den ersten Tagen bis Wochen niemals unangeleint und unbeaufsichtigt in einem Raum gelassen, in dem sich auch die Katze aufhält. Er muss immer zu 100% kontrollierbar sein. Vergessen Sie nicht, dass alles neu und fremd für ihn ist. Vielleicht hat er noch nie ein Haus von innen gesehen und muss sich auf unzählige Dinge einstellen. Dies kann selbst den ausgeglichensten Hund überwältigen. Geben Sie ihm Zeit anzukommen, sich mit allem vertraut zu machen und vor allen Dingen Sie kennen zu lernen.  

  • In den ersten Tagen sollte es keine direkte Begegnung zwischen Hund und Katze geben. Ideal ist, wenn sich beide erst einmal in getrennten Teilen des Hauses aufhalten, so dass sie sich zwar riechen und hören, gegebenenfalls auch sehen können (z.B. durch eine Glastür, Gittertür oder ein Absperrgitter), aber keinesfalls direkt aufeinandertreffen. Man kann die Schlafdecken der Tiere austauschen, so dass sie sich mit dem Geruch des anderen vertraut machen können.  

  • Beide Tiere müssen Rückzugsmöglichkeiten haben, in denen sie ungestört sind.

  • Begegnungen sollten positiv gestaltet werden, d.h. beide Tiere bekommen besondere Leckerlis oder werden bespielt, so dass mit dem Auftauchen des jeweils anderen die Erwartungshaltung verknüpft wird, dass etwas Tolles passiert.

  • Lassen Sie keine Konkurrenz um Futter oder andere Ressourcen aufkommen!

  • Das Tier, das schon länger mit Ihnen zusammenlebt, sollte besonders viel Aufmerksamkeit erhalten, um keine Eifersucht entstehen zu lassen. Nichtsdestotrotz kann eine Katze mit Unsauberkeit auf eine derart einschneidende Veränderung ihrer Lebensumstände reagieren. Dies ist ein Hilferuf und darf keinesfalls mit negativen Reaktionen von Ihrer Seite geahndet werden! In solch einem Fall, aber auch grundsätzlich, können folgende Maßnahmen unter Umständen hilfreich sein:

  • Feliway Verdampfer oder Spray: Durch katzeneigene Geruchsstoffe (Pheromone) mit beruhigender Wirkung wird der Stresspegel der Katze gesenkt.

  • Adaptil Verdampfer oder Halsband: Das auf demselben Prinzip basierende Pendant für Hunde.

  • Bachblüten und/oder Homöopathie: Fragen Sie eine komplementärmedizinisch erfahrene Tierärztin oder Tierverhaltenstherapeutin (bzw. einen Tierarzt oder Therapeuten) um Rat.

  • Überstürzen Sie nichts und lassen Sie sich viel Zeit, bevor Sie den Hund und die Katze sich erstmals beschnuppern lassen. Der Hund sollte dabei unbedingt angeleint sein – und vor allen Dingen: Erzwingen Sie den Kontakt nicht! Die Tiere sollen von sich aus aufeinander zugehen. Macht die Katze Anstalten, ihre Krallen auszufahren, trennen Sie beide Tiere sofort wieder.

 

Situation 2: Eine Katze kommt ins Haus: Im Grunde gilt Obiges genauso. Am besten richten Sie ein Zimmer ein, in dem die Katze die ersten Wochen verbringen und sich einleben kann. Erweitern Sie ihren Radius nach und nach. Auch hier sollte Ihr Hund der Katze anfangs nur angeleint begegnen.

 

Auch wenn die Eingewöhnung schließlich erfolgreich verlaufen ist, sollten Sie die beiden Tiere weiterhin über einen längeren Zeitraum nicht allein bzw. unbeaufsichtigt miteinander in einem Raum lassen. Je geduldiger und behutsamer Sie am Anfang vorgehen, umso größer wird Ihr Erfolg sein, und wer weiß? Eines Tages erwischen Sie Ihre Lieblinge vielleicht dabei, wie sie miteinander spielen oder einträchtig aneinander gekuschelt schlafen!