Die Uhr tickt

In Italien werden Hunde, die gefunden werden, zu einem Tierarzt gebracht. Dieser kontrolliert, ob der Hund einen Mikrochip besitzt. Ist dem so, kommt der Hund zu seinem Besitzer zurück. Andernfalls wird er nach einer gewissen Zeit, in der Regel ein Monat, von dem Bezirk an ein Tierheim gegeben. Zwischen Bezirken und Tierheimen bestehen Verträge, die regeln, wohin der Bezirk Fundhunde gibt.

Eines unserer Partnertierheime in Italien verliert Anfang 2018 den bestehenden Vertrag mit einem Bezirk Italiens. Unsere italienischen Tierschützer werden sich für eine erneute Kooperation bewerben, allerdings gibt es andere große Tierheime, die aus unterschiedlichen Gründen, manchmal auch persönlicher Natur, bessere Chancen haben.

Was erstmal klingt, als würde unser Partnertierheim einfach fortan keine Hunde mehr aus diesem Bezirk bekommen, ist in Wahrheit ein weitaus tiefer verwurzeltes Problem. Denn die Hunde aus diesem Bezirk - aktuell sind es etwa 20 Hunde -, die wir in unserem italienischen Tierheim sitzen haben und bisher noch nicht vermitteln konnten, müssten unser Tierheim verlassen und in ein anderes umziehen. Leider sind die wenigsten Tierheime in Italien so gut organisiert wie das, mit dem wir zusammenarbeiten. Es hat Zwinger, in denen Hunde in kleinen Gruppen gehalten werden, und begrünte, große Auslaufflächen. Die Hunde werden täglich mit Futter und sauberem Wasser versorgt, sind tierärztlich gut betreut, unsere Tierschützer nehmen sich jeden Tag Zeit, die Schützlinge zu streicheln oder das an der Leine gehen zu üben. Natürlich bleibt für keinen Hund so viel Zeit, wie er in einem eigenen Zuhause hätte, aber das ist bei der Menge an Schützlingen nicht möglich. Außerdem werden die Hunde im In- und Ausland an liebevolle, verantwortungsbewusste Familien vermittelt. Unser Partnertierheim ist wahrscheinlich eines der wenigen in Italien, die sich so vorbildlich gut um die Vierbeiner kümmern.

UPDATE VOM 27.11.2017:  Unseren italienischen Tierschützern ist es gelungen, für die von der Umsetzung bedrohten Hunde einen Aufschub bis Mitte nächsten Jahres zu erzielen. Bis dahin müssen wir für die Fellnasen Pflege- oder Endstellen finden, um sie vor dem Schicksal "Endstation staatliches Tierheim" bewahren zu können. 

Viele Tierheime sind leider überhaupt nicht auf den Schutz und die Versorgung der Hunde aus, sondern agieren viel eher wie ein profitorientiertes Unternehmen. Jeder Hund bedeutet schließlich eine Einnahmequelle, die Ausgaben (Wasser, Futter, medizinische Versorgung, Decken, etc.) werden dermaßen reduziert, dass viele Tiere an den miserablen hygienischen Lebensbedingungen oder Mangelernährung sterben. Dass die Hunde oft in großen, chaotischen Gruppen gehalten werden und durch die Enge und Stagnation psychisch leiden, begünstigt Beißereien, die ältere, kranke oder kleinere Hunde mit dem Leben zahlen. Dieser „Ausschuss“ wird miteinkalkuliert. Oft ist es den Tierheimleitern solcher Tierheime recht, wenn kein Besucher dieses Elend sieht. Vermittlungen, vor allem solche ins Ausland, sind nicht gewünscht, immerhin schmälern sie die Einnahmen.

Wir wollen uns nicht vorstellen, dass die aktuell etwa 20 Hunde aus dem Bezirk nach Ablauf der Frist vielleicht in ein solches Tierheim umziehen müssten. Ihnen würde mit einem Schlag jegliche Chance auf ein richtiges Leben genommen werden. Wahrscheinlich würden sie niemals erleben, was es bedeutet im Sommer durch ein Blumenfeld zu rasen, im Winter Schneebälle zu fangen und jeden Abend von den Abenteuern des Tages erschöpft unter den streichelnden Händen ihrer sie liebenden Menschen einzuschlafen. Stattdessen müssten sie sich vielleicht mit den großen, starken Hunden anlegen, um einige Brocken des viel zu sparsam verteilten Futters zu erhaschen. Wenn sie mutig genug sind. Sonst bleibt ihnen nichts anderes übrig als im spärlichen Schutz einer klapprigen alten Hütte auf den Hungertod zu warten. Sie würden das Tierheim so oder so nicht lebendig verlassen. 

Unsere vielleicht letzte Chance den Hunden zu helfen, ist sie bis zum Ablauf der Frist zu vermitteln. Das ist eine große Aufgabe, aber wir können die Hunde, die teilweise aus einem solchen Tierheim kommen, von ihren Besitzern lieblos entsorgt wurden oder nach jahrelanger, knochenharter Arbeit beim Jäger im Wald zurückgelassen wurden, nicht im Stich lassen. Jeder einzelne verdient so sehr ein eigenes Zuhause erleben zu dürfen. Helft uns, gegen die tickende Uhr anzukämpfen.

Von der Umsetzung betroffen sind folgende Hunde.